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Flugsport in Würzburg - Traum und Wirklichkeit

von Heinz Gräf

Der Traum vom Fliegen ist uralt. Sagen und Geschichten erzählen davon. Für Würzburg scheint dieser Traum auch bereits vor langer Zeit wahr geworden zu sein. Denn die Realisierung dieses Traums lässt sich in frühesten Ansätzen weit zurückverfolgen. Wahrscheinlich am 6. April 1797 erhob sich zum ersten Mal in Würzburg ein Ballon vom Boden des Jesuitengartens aus, wo heute noch das Mozart-Gymnasium steht.
Der erste belegbare Ballonaufstieg in Würzburg fand im Juni 1894 statt, anlässlich der Einweihung des Frankoniabrunnens auf dem Residenzplatz.

Der eigentliche Beginn der Würzburger Luftfahrt ist der 12.05.1905, mit der Gründung des Fränkischen Vereins für Luftfahrt durch den Flugpionier Karl Hackstetter.
Karl Hackstetter konnte schon im Gründungsjahr 1905 eine fabelhafte Bilanz vorweisen: 142 Mitglieder. Zudem wurden bis zum 1. Weltkrieg 77 Luftfahrten unternommen, mit 209 Passagieren, 518 Std. Flugzeit und 12000 km Strecke wurden mit dem Ballon zurückgelegt.

Würzburgs erster Motorflieger war wohl Leo Lendner. Schon im Jahre 1911 gelangen ihm Flüge auf seiner selbst gebauten Maschine. Am 8. Juli 1913 stürzte Lendner tödlich ab.

Ein weiterer Flugpionier war Hans Zahn. Er starb 1983 in Augsburg im Alter von 92 Jahren. 

Nach dem 1. Weltkrieg standen auch in Würzburg die Propeller erst einmal still. Erst am 20. Juni 1924 konnte die neue Fliegerschule auf dem Galgenberg durch den damaligen OB Dr. Löffler eingeweiht werden.

Der wohl bekannteste Flugplatzleiter in jener Zeit war Robert Ritter von Greim (1927 – 1933), der zum Schluß des 3. Reiches noch Oberbefehlshaber der Luftwaffe wurde.

Auch die berühmte Afrikafliegerin Elly Beinhorn erlernte das Kunstfliegen hier in Würzburg.

 

Segelflug wurde ab 1924 unter der Leitung von Willi Pelzner angeboten. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Arbeitsgruppe für Segelflug durch Kurt Noell.

Nach der unseligen Zeit zischen 1933 und 1945, wurde der Flugsport am 30. September 1950, als Flugsport-Club Würzburg neu gegründet. Gründungsmitglieder waren u.a. Helmut Gerst, Toni Endres, Georg Weinmann, Georg Grübel, Alois Mattner. Allerdings hatten die Würzburger Flieger kein eigenes Fluggelände. Es wurde in Obereisenheim, Karlstadt und Giebelstadt geflogen. 1959 endlich konnten die ersten Probeflüge hier auf dem Schenkenturm durchgeführt werden. Doch erst ab 1965 erlaubten die Amerikaner dem Flugsport-Club Würzburg den Schenkenturm zu nutzen. Die Schwierigkeiten unter denen ein geregelter Flugbetrieb geradezu erkämpft werden musste, sind vielen unter uns sicher noch bekannt. Trotzdem können wir auf hervorragende Leistungen und erfreuliche Jahre zurückblicken.

Fliegen: Traum und Wirklichkeit – man sieht allein an der Geschichte unseres Vereins, wie schwer dieser Traum immer wieder erkämpft werden musste.

Wir kämpfen auch heute noch:

  •  gegen Vorurteile und Kritik der Flugsportgegner
  •  für umweltfreundliche Flugzeuge
  •  für den Erhalt des Fluggeländes und unsere Träume

Ein Traum ist aber schon in Erfüllung gegangen: seit Oktober 2001 gehört dem Flugsport-Club Würzburg dieser Flugplatz. Wir konnten der Bundesrepublik Deutschland dieses herrliche Gelände abkaufen.

Fliegen Traum und Wirklichkeit

Man sieht allein schon an diesem Rückblick, dass Flieger nicht nur Träumer und Idealisten sein konnten, um ihre Ziele zu verwirklichen, mussten sie auch Realisten sein. Oder wie unsere Frauen oft sagen: Flieger sind ja ganz nett und liebenswert, aber auch stur und hartnäckig.

Wahrscheinlich muss man das aber auch sein, denn bis man Flieger ist, egal ob Modellflieger, Segelflieger oder Motorpilot, hat man viele Schwierigkeiten und Mühen zu überwinden. Schnelle Anfangserfolge wie beim Schwimmen oder Fußballspielen gibt es bei uns nicht. Deshalb muss ein Flieger etwas sturer sein als andere Zeitgenossen. Wenn er es aber geschafft hat, dann bleibt wieder Platz für den Träumer.

I have a Dream Martin Luther King

Der Flugsportclub Würzburg e.V. von 1970 - 1990

Im Winterhalbjahr 1969/70 wurde in der clubeigenen Werkstatt in der mittlerweile abgerissenen Pleicher Schule die wohl umfangreichste Überholungsarbeit an einem Flugzeug durchgeführt.

Unser treues altes Schleppflugzeug ‘Stieglitz’ mußte grundüberholt werden. Unter Anleitung des Werkstattleiters Arno Meder wurde das dreißig Jahre alte Rumpfgerüst entrostet und neu aufpoliert. Jede Rippe mußte genau unter die Lupe genommen werden, geprüft und nötigenfalls erneuert werden. Der Siebenzylinder- ‘Siemens’-Sternmotor mit 150 PS aus dem Jahr 1939 wurde ausgebaut und zur Überholung an den Luftfahrttechnischen Betrieb Röder in Egelsbach gegeben. Dorthin wurden im März 1970 mit einem Lastwagen auch die überholten Einzelteile des ‘FW 44’ gebracht und wieder zusammengebaut.

Endlich war es soweit. Mit Arno Meder am Steuer erschien der ‘Stieglitz’, eine bläuliche Ölfahne hinter sich herziehend, am Himmel über Würzburg und setzte sanft auf der Landebahn auf. Der Ölverbrauch war auf dieser kurzen Strecke fast so hoch wie der Benzinverbrauch gewesen. Unsere unermüdlichen ‘Mechaniker’ Erich Gräf und Karlheinz Stattelmann schafften aber, was die Techniker in Egelsbach nicht vermochten, und brachten den Motor wieder auf Vordermann.

In diesem Zusammenhang sollen ein paar Worte über die Werkstatt eines Flugsportvereines gesagt werden. Die Stadt Würzburg stellte dem FSCW freundlicherweise 1958 nach dem Abzug aus den Räumen der Pestalozzi-Schule einen Kellerraum in der Pleicher Schule zur Verfügung.

Eine solche Werkstatt ist für einen Flugsportverein unentbehrlich. Hier werden unter fachkundiger Leitung eines geprüften Werkstattleiters die Flugzeuge überholt und ihr technischer Zustand überwacht. In jedem Frühjahr werden die Maschinen von einem Flugzeugsachverständigen neu abgenommen und geprüft. Junge Flugschüler werden so in die Geheimnisse des Flugzeugbaus eingeführt und das Verantwortungsgefühl eines jeden wird gestärkt.

Nach der langen Vorstandsära von Dr. Fritz Därr - er war immerhin neun Jahre lang 1. Vorsitzender - nahm eine junge Mannschaft die Geschicke des Vereins in die Hand. Neue Herausforderungen kamen auf Dr. Dieter Will (‘Diwi’) und sein Team zu.

Der Segelflugzeugbau wurde durch die Kunststoffbauweise revolutioniert. Auch der FSCW wollte daran teilhaben und so wurde 1974 die ‘Ka 6 E’ durch einen modernen Kunststoffsegler ‘ASW 15’ ersetzt. Später kam dann noch ein ‘Mistral’ hinzu.

Auch unser guter alter ‘FW 44 Stieglitz’ kam in die Jahre. Die Wartung wurde immer aufwendiger, der Verschleiß der zum Teil vierzig Jahre alten Teile immer größer und die Beschaffung von Ersatzteilen immer schwieriger. Schweren Herzens entschloß man sich, den ‘Stieglitz’ durch eine moderne Schleppmaschine zu ersetzen. Eine ‘Citabria Bellanca’ wurde jetzt unser Arbeitspferd. Für viele Mitglieder war der Verkauf des ‘FW 44’ trotz des enormen Erlöses ein herber Verlust. Einige altgediente Schleppiloten verloren die Lust. Arno Meder, der den ‘Stieglitz’ in rund eintausend Arbeitsstunden mitüberholt hatte, stieg seither nie mehr wieder in ein Schleppflugzeug. Unser alter ‘Stieglitz’ wurde nach Sinsheim verkauft und von dort wenige Jahre später an das Deutsche Museum weitergegeben. Im Deutschen Museum Flugwerft Schleißheim ist er bis heute zu besichtigen. (Anmerkung: ein Link zum Deutschen Museum Flugwerft Schleißheim befindet sich auf unserer Seite ‘Links’.)

Nach den schon beschriebenen vergeblichen Versuchen, eine Halle zu bauen - auch die Vorstandschaften Dr. Will und später Gerst/Weisheit waren am Einspruch der Behörden gescheitert - gelang es der Vorstandschaft Dr. Willi Prosch/Heinz Gräf, glückliche Umstände auszunutzen und die langersehnte Halle 1987 auf dem Flugplatz Schenkenturm zu errichten.

Durch viel Eigeninitiative der Mitglieder, allen voran Otto Wanke, Erich Wollner, Erich Gräf und Dr. Wolfgang Haigis, um nur einige zu nennen, sowie durch großzügige Spenden konnten die ersten Flugzeuge im Frühsommer 1987 in die Halle geschoben werden. Die enorme Bausumme von 130.000 Mark war in wenigen Jahren getilgt. Nun war es für den FSCW viel einfacher geworden, Hallenfeste und die mittlerweile zur Tradition gewordenen Flugwerbetage im Herbst jeden Jahres zu organisieren.

Es wurden zwar auch schon früher Flugtage veranstaltet, aber die Probleme waren ohne eigene Halle ungleich größer. Trotzdem boten diese Flugtage umfangreiche Programme, wie zum Beispiel der Flugtag am 22. September 1968 unter der Vorstandschaft Dr. Därr/Stattelmann:

  • Eröffnung durch den Oberbürgermeister Dr. Zimmerer
  • Taufe des neuen Segelflugzeuges ‘Ka 8’ auf den Namen der schottischen Partnerstadt Dundee
  • Kunstflug mit ferngesteuerten Flugmodellen
  • Doppelschlepp, Oldtimer ‘Stieglitz’ schleppt gleichzeitig zwei Segelflugzeuge
  • Demonstrationsflüge mit Hubschraubern und vier Düsenjägern vom Typ ‘Phantom’
  • Kunstflieger Norbert Holzberger fliegt seine Weltmeisterschaftskür auf der ‘Zlin 326’
  • Absprünge von Fallschirmspringern

Zirka 30.000 Zuschauer verfolgten diesen Großflugtag. Auch die Flugtage 1971 und 1975 waren große Erfolge für den Verein.

 

Beliebt waren außerdem die Fluglager im In- und Ausland. Hierbei sind sicher die Fluglager im schweizerischen Samedan und in Romans in Frankreich hervorzuheben, wo der FSCW in den Jahren 1970 und 1989 zu Gast war. Auf allen Fluglagern wurde hervorragender Leistungsflug und auch Anfängerausbildung angeboten.

In diesem Zusammenhang sind alle Fluglehrer des Vereins besonders zu erwähnen, die sich seit Jahren dem Verein uneigennützig zur Verfügung stellen. Generationen von Flugschülern gingen durch die Hände von Georg Hartbauer, August Weinmann, Helmut Gerst, Heinz Deckert, Helmut Vogel (gestorben 1989), Karlheinz Stattelmann (tödlich abgestürzt mit einer ‘Cessna 210’ 1983), Werner Fenn (gestorben 1988), Friedrich Assländer, Peter Boneto, Harald Greß, Dr. Wilhelm Prosch und nicht zuletzt Otto Wanke, der wohl vom Flugplatz überhaupt nicht mehr wegzudenken ist. Es gibt kaum eine Vorstandsära, in der Otto Wanke nicht in irgendeiner Funktion vertreten war oder noch ist.

1986 wurde ein weiterer Meilenstein für den Flugsport-Club gesetzt: die Sparte ‘Motorflug’ konnte aktiviert werden.

Jahrelang wurden die Motorpiloten des FSCW beim befreundeten Verein ‘Fluggruppe Hermann Köhl’ in Hettstadt ausgebildet. 1975 wurde ein weiterer Motorverein auf dem Schenkenturm gegründet. Als dieser Verein Auflösungserscheinungen zeigte, nahm der FSCW die Kameraden in die bisher inaktive Sparte ‘Motorflug’ auf und bildet seitdem unter den Fluglehrern Alpermann, Launer und Seufert selbst Flugschüler aus.

1987 erfolgte die Neugründung einer Sparte ‘Freiballon’, angeregt durch Helmut Gerst. Ein Heißluftballon, gesponsert von der ‘Hofbräu AG.’, stand eine Zeitlang zur Verfügung. Nach anfänglich guten Erfolgen erhofft sich der Flugsport-Club neue begeisterungsfähige Mitglieder in dieser Sparte.

Die Jugendarbeit in allen Sparten ist durch engagierte Jugendleiter wieder gut in Schwung gekommen. Volker Stawski und Norbert Gallena konnten in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt Modellbaukurse und Segelflugfreizeiten erfolgreich organisieren.

Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Würzburg als Platzhalter, dem Sportamt als zuständiger Stelle für Zuschüsse und den Presseorganen konnte sehr intensiviert werden.

Dieser Verein ist seit 1950 Würzburgs Tor zum Himmel